{"id":390,"date":"2014-07-13T23:59:37","date_gmt":"2014-07-13T21:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andismirre.de\/blog\/?p=390"},"modified":"2014-10-12T18:16:23","modified_gmt":"2014-10-12T16:16:23","slug":"rio-de-janeiro-deutschland-argentinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andismirre.de\/blog\/?p=390","title":{"rendered":"Rio de Janeiro | Deutschland &#8211; Argentinien"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.andismirre.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F390&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.andismirre.de\/blog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.andismirre.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F390&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.andismirre.de\/blog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><\/a><\/div><p>Heute war es soweit. Es war angerichtet, der gro\u00dfe Tag war da. Die Band stand bereit, die Instrumente waren geputzt, es musste nur noch zum gro\u00dfen Tanz gebeten werden. Nunja, ganz so leicht war es dann doch nicht. Zwischen die Eurphorie legte sich auch immer mal wieder die Sorge, was passiert wenn. Verlieren w\u00e4re nicht tragisch, aber dennoch muss man doch endlich mal diesem Fluch des ewigen Zweiten, Dritten ablegen. Die &#8220;goldene Generation&#8221; wie sie oft genannt wurde, musste doch mal endlich die Krone bekommen. Wir sind einfach dran!<\/p>\n<p>Nervosit\u00e4t hatte sich schon l\u00e4ngst breit gemacht und paarte sich mit Anspannung. Wir rollten durch Itaipava, die Serpentien, trotz der Autoger\u00e4usche, absolute Stille. Es war in diesen Momenten alles gesagt oder nichts weiter hinzuzuf\u00fcgen. Wie relativ die Wahrnehmung der Zeit ist, merkt man wohl erst in solchen Augenlicken. Endlosigkeit schien sich zwischen uns und Rio auszubreiten.<\/p>\n<p>Zielstrebig erreichten wir die Abholstelle f\u00fcr unsere Tickets und fanden einen Halteplatz in direkter Entfernung zum Hoteleingang. Von dort fuhren wir auch direkt weiter zum Maracana. Die Stra\u00dfe von unserem viertelfinalparkplatz war diesmal abgesperrt. Allgemein lief heute einiges anders als an den anderen Spieltagen. Die Sicherheitsapparate waren deutlich mehr aufger\u00fcstet worden. Man hatte sogar Teile der Armee zur Sicherung der Stra\u00dfen vom stadion und anderen Zufahrten herangezogen. Einen Menschen mit Hirn und einwenig Fu\u00dfballsachverstand mag es fragw\u00fcrdig erscheinen, wozu man einen Armeejeep mit aufgebocktem MG wohl heute gebrauchten k\u00f6nnte, aber schlie\u00dflich ist das hier immernoch ein anderes Land. Vom Parkplatz weg f\u00fchrte und der Weg vorbei an Stra\u00dfen-Cafes, Tankstellen, einiger Absperrungen, gepanzerten Fahrzeugen und Milit\u00e4rpolizisten mit Pumpguns und Nebel-Tr\u00e4nengaswerfern. Also normaler Bundesliga-Ausw\u00e4rts-Alltag wenn gerade mal wieder irgendwo Wahlkampf ist und sich der Herr des Innenministeriums noch etwas profilieren muss.<\/p>\n<p>Dort, an einer der Absperrungen turnte der Obdachlose Deutsche herum, den wir zum Frankreich-Spiel schon auf dem Polizeirevier gesehen hatten. Er versuchte Leute dazu zu bringen, mitgenommen zu werden, durch Schmuggeln mit Eintrittskarten. Offenbar war sein Problem mit der Aufenthaltserlaubnis entweder erledigt oder gerade nicht so wichtig. Es war Finale, wer kann es ihm verdenken?<\/p>\n<p>Wir bahnten uns unseren Weg durch die ersten Kontrollen, w\u00e4hrend man bei anderen Spielen nach mit irgendwelchen Tickets dort vorbeigekommen w\u00e4re: Heute wollten es die absperrenden Polizisten und allerhand anderer FIFA-Lakaien ganz genau wissen. So langsam machte sich die Anspannung dann auch in einigen Muskelfunktionen bemerkbar, ein leichtes Zittern an den Fingerspitzen war nun mein st\u00e4ndiger Begleiter. Der Weg bis zum stadioneingang schien schier endlos, man konnte das Kribbeln sp\u00fcren und der Blick auf andere Menschen intensivierte sich, die sich dort am Eingang versammelten. Deutsche, Argentinier, Brasis, Brasis in deutschen Trikots. Immer \u00f6fter h\u00f6rte man Ges\u00e4nge, das einhellige Argentinier-Lied zum Beispiel, dann mal wieder was von den Brasis als Konter und n bisschen Schland-Schland hier und da.<\/p>\n<p>die Abschlusszeremonie lief schon, aber ich streunerte noch einwenig umher. Das ganze Spektakel fand wie in einer weit entfernten Welt statt. Es m\u00fcssen schon komische Fu\u00dfballfans sein, die sich jetzt so einen Zirkus geben. Nichtmal das Stadionbier, mein erstes wirklich bezahltes Bier innerhalb eines Stadions w\u00e4hrend dieses Turniers k\u00e4uflich erworbene Pl\u00f6rre worrte so richtig schmecken. Gef\u00fchlt die H\u00e4lfte davon sch\u00fcttete ich in einen M\u00fclleimer, da wollte einfach nicht mehr runter gehen. Ich traf mich noch mit verschiedenen Leuten, deren Aufenthalt mir beim Fu\u00dfball immer sehr angenehm ist. Auch wenn wir Spiele dieser WM von unterschiedlichen Positionen aus geschaut haben, so ist es doch etwas anderes, eine vertraute Seele anwesend zu wissen, die da irgendwo genauso mitfiebert, feiert, leidet, hofft und bangt, als wenn es alles nur fremde Menschen w\u00e4ren. W\u00e4hrend wir uns unterhielten, lief uns sogar zuf\u00e4llig unser alter Chemie-Lehrer aus der Schule \u00fcber den Weg, wie klein die welt doch ist.<\/p>\n<p>Voller Stolz und Zuversicht wurde zum Start des Spiels erneut das Lied der Deutschen gesungen, anschlie\u00dfend lauschten wir dem Klang der argentinischen Hymne. Der Anpfif war eine Art Befreiung, \u00e4hnlich wie bei einem Fallschirmsprung oder beim Bungee, pures Adrenalin, ab jetzt tickte die Uhr r\u00fcckw\u00e4rts.<\/p>\n<p>In diesem Fu\u00dfballspiel erlebten wir alle Arten emotionaler Extreme. Das zum Gl\u00fcck anerkannte Abseits beim Argentinientor brachte erstmal einen riesigen Schock, denn zu diesem Zeitpunkt w\u00e4re dieser Treffer nicht unverdient gewesen. Das Spiel wurde zunehmend z\u00e4her und meine erhofften schnellen zwei Tore erf\u00fcllten sich nicht. Dafr aber schienen die Deutschen ab der Halbzeit das Spiel komplett unter Kontrolle zu haben, die Argentinier im Sack, aber ein Tor fehlte vergebens. Bereits zu Ende der regul\u00e4ren Spielzeit pfiffen die Gauchos aus den letzten L\u00f6chern und bei jedem Foul sprang die komplette deutsche Bank auf, unglaublich dieser Siegeswille. Dann endlich versenkte G\u00f6tze die Pille, Ekstase pur. Ein Traum, was f\u00fcr ein Torjubel!<\/p>\n<p>Die verbleibenden Minuten wurden runtergespielt, st\u00e4ndig zwischen Hoffnung und Bangen dass die Mannschaft konzentriert dran blieb. Nach einer endlos nachgespielten Nachspielzeit dann der erl\u00f6sende Abpfiff!<\/p>\n<p>Und was leider folgte, die ein vielen anderen Stadien schon erlebt, Events, Partymusik dr\u00f6hnte aus den Lautsprechern dieser f\u00fcr mich h\u00e4sslichen Arena. Jeder Versuch des Deutschen Blocks, die Zeremonie fu\u00dfballgerecht zu feiern, wurde in lauter Ballermann-Manie erstickt. Einzig bei &#8220;Tage wie dieser&#8221; bewies der Medienregisseur etwas Weitsicht und drehte runter. Obwohl ich dieses Lied \u00fcberhaupt nicht abkann, nahm ich dies als Abschluss eines sportlich gro\u00dfartigen Abends wohlwollend hin und sang mit.. Und kein Ende in Sicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war es soweit. Es war angerichtet, der gro\u00dfe Tag war da. Die Band stand bereit, die Instrumente waren geputzt, es musste nur noch zum gro\u00dfen Tanz gebeten werden. Nunja, ganz so leicht war es dann doch nicht. Zwischen die Eurphorie legte sich auch immer mal wieder die Sorge, was passiert wenn. 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