Olympiakos Piräus – FC Bayern München

Seit der Auslosung der Champions League Gruppenphase und der Terminierung freute ich mich auf dieses Spiel. Zum einen, weil es super in die noch verbliebene Urlaubsplanung passt. Zum zweiten, weil es dank eines Tagesfliegers nur einen Urlaubstag braucht. Und zum dritten, weil die Paarung etwas neues und besonderes ist. Hintergrund ist, dass der FC Bayern München seit Jahrzehnten nicht mehr gegen eine griechische Mannschaft in einem Pflichtspiel antreten auswärts musste. Diese Historie führte zu verschiedensten Gerüchten und Verschwörungstheorien. Ich muss zugeben, dass ich noch nicht lange genug zu Spielen fahre, um die lange Leidensfähigkeit der älteren Fans und die Sehnsucht nach einem Spiel in Griechenland zu verstehen. Heute war es jedenfalls angerichtet.

Mein Weg führte mich morgens ab acht Uhr zum Flughafen München, von wo aus der Flieger nach Athen abheben sollte. Bereits am Check-In konnte ich einige erwartete Gesichter entdecken und ein bisschen quatschen.  An der Sicherheitskontrolle ließ sich das arbeitende Volk heute scheinbar ein paar Minuten extra viel Zeit, aber den letzten Aufruf erreichten wir noch. In dezenter Entfernung zum Gate standen auch zwei Beamte in grün. Sehr gut, dass bereits hier ordentlich auf uns aufgepasst wurde. Unser Flieger rollte pünktlich vom Gate los. Den optischen Teil der Sicherheitseinweisung gabs nur auf dem Monitor, sehr schade. Eine halbe Stunde nach Start floß bereits einiges an Bier, es gab Otterkringer für nur 2€ die 0.3ler Dose. Ein durchaus fairer Preis. Ein insgesamt sehr angenehmer Flug mit nur zwei Stunden und wir kamen am Flughafen von Athen an, nachdem der Pilot zunächst eine Runde über die Stadt gedreht hatte. Unmittelbar nach Ausstieg fand sich der Großteil der Mitreisenden an den bereitgestellten Shuttle-Bussen ein. Da mir googlemaps navigator eine Fahrzeit von einer Stunde mit den öffentlichen, aber nur dreißig Minuten auf der Straße anzeigte, entschied ich mich, das Angebot ebenfalls anzunehmen. Bei gemütlicher griechischer Klimper-Gitarrenmusik rollte der Bus in Richtung Innenstadt.  Wir konnten noch einen kurzen Blick auf die Akropolis erhaschen, bevor an einer Kreuzung abgebogen wurde und der Bus wenig später am ersten Olympiastadion der Neuzeit hielt. Hier war auch der offizielle Treffpunkt der Bayern-Fans und später die Abreise der Shuttle-Busse zum heutigen Spielort.  Die Zeit war schon recht vorangeschritten, also suchte ich mir von dort ein Taxi und ließ mich zum Omonia-Platz chauffieren. Die Fahrt kostete gar nicht mal viel, nur vier Euro für etwas mehr als drei Kilometer. Gefällt.

Dort angekommen, kontaktierte ich einen Freund, der ebenfalls Bayernfan und Geocacher ist. Wir wollten ja schließlich heute ein paar Caches machen. Direkt am Omonia-Platz galt es sofort, die erste Dose zu finden. Ziemlich eklig war die Ecke wo das Hinweisbild drauf deutete und es brauchte einiges an Überwindung. Mit etwas umhergucken wurden wir aber schnell fündig. Anschließend zogen wir durch die Straßen in Richtung des Parlamentsgebäudes und erledigten unterwegs noch zwei, drei leichtere Geocaches. Unser weiterer Weg führte uns dann erst in einen Park zu einem sehr alten virtuellen Cache und später wieder in die Stadt durch ein paar nette Straßen mit kleinen Cafés. War wirklich schön hier, enge helle Gassen, alles sauber und mit dem Flair einer Kleinstadt.

Wir erreichten bald den Gang hinauf zum Akropolis-Hügel, der Weg ging komplett einmal an der Absperrung entlang, wo wir noch einen Cache fanden und wenige hundert Meter später den Eingang erreichten. Zwölf Euro wollten sie haben, aber gut, anders kriegt man ja sonst kein Geld von Touristen. Für mich eine gute Gelegenheit, den Fünziger loszuwerden. Der weitere Weg nach oben war nichtmal wirklich steil, nur mäßig anstrengend. Schon bald konnte man das Pantheon sehen und es war auch nicht mehr weit, um einige gute Fotos zu machen, sowohl von der Akropolis selbst, wie auch vom Panorama über die Stadt. Wir genossen noch ein wenig die Aussicht und steuerten dann den Hauptausgang an.

Der dort in der Nähe befindliche Cache war erneut schnell gefunden, sowie zwei weitere. Am Earthcache haben wir etwas Zeit verloren, weil die Aufgabenstellung zunächst nicht ganz klar war. Ein weiterer relativ ereignisloser Spaziergang wieder hinein in die Stadt brachte uns zu einer Einkaufsstraße mit kleineren Läden. Ein Red-Shop, Olympiakos Fanshop, war hier auffällig. Eigentlich wars nur etwas Neugier, die mich mal reingucken ließ, aber dann hing dort ein T-Shirt mit der heutigen Spielpaarung auf dem Bügel und das wollte einfach mit genommen werden. Mal rein unwahrscheinlich angenommen, der FC Bayern würde die nächsten 10 Jahre genauso konsequent nicht in Griechenland spielen wie die letzten 32 Jahre, so würde ich mich schon sehr ärgern, dieses T-Shirt nicht erworben zu haben. Andererseits kann man mit einem Spielpaarungs-T-Shirt für 22€ sus einer so tollen Stadt auch nichts falsch machen. Gegenüber gab es einen “Ultras”-Laden, auch hier schauten wir mal rein, aber diesmal wirklich nur aus Neugier. Die Ware war für uns normale Fußballfans nicht sehr einladend aber dennoch recht interessant. Allerhand Kaputzenpuller mit einem Ultra-Sprech, aber außer St.Pauli und Totenkopf gab es kein anderes Produkt, was für einen konkreten Verein stand. Leicht amüsiert liefen wir die Straße weitere 50 Meter um festzustellen, dass dort noch ein Ultra-Laden gibt. Scheinbar gibts hier für jeden Block einen. Wir passierten wenige kleinere Läden und fanden an der Ecke einen Imbiss, wo man sogar an mehreren kleinen Tischen Platz nehmen, aber trotzdem noch das Geschehen draußen und die Passanten beobachten konnte. Hier setzten wir uns erstmal und genehmigten uns eine Art Pita zusammen mit Bier. Für 6 bzw. 7 Euro konnte man nicht meckern, zumindest wurden wir satt. Alea iactae sunt, bereits als wir die Aussicht von der Akropolis genossen war beim Blick auf die Uhr klar, dass wir nicht mit den vom FC Bayern bereitgestellten Shuttle-Bussen fahren würden. Also genauso klar, dass wir von hier aus die U-Bahn erstmal in Richtung Stadion nehmen würden und je nach Lage früher oder später dann aussteigen. Mit zweieinhalb Stunden bis Spielbeginn setzten wir uns erstmal in die Richtung der U-Bahn-Station, wo wir auch dort den Geocache nicht ohne Log liegen ließen. An der Station war so ziemlich gar nichts los, also wirklich kein Mensch außer uns. War nicht gerade eine klassische Untergrund-Bahn, eher so halb-unterirdisch, quasi tiefer gelegt aber oben-ohne. So wie manche Teile der Tube in London. Wir steigen ein und ernteten erstmal einwenig Aufmerksamkeit der anwesenden Fahrgäste. Es gab zwar keinen Sitzplatz mehr, aber genug Platz zu stehen und andere Leute standen auch im Waggon. Die nächsten Stationen stiegen unterwegs einige aus, fast niemand zu, nichtmal im Ansatz vergleichbar wie München. Jede Menge Platz zum Atmen und kein Kuschelzwang.

Da sich die Situation also entgegen medialer und Ankündigungen von Vereinsseite nicht lebensbedrohlich zuspitzte, fuhren wir wie die paar anderen Fahrgäste durch. Direkt an der Station vor dem Stadion angekommen, änderte sich das Umgebungsbild schlagartig. Hier war alles rot-weiß gestreift. Vorteilhaft für regelmäßige Besucher, denn das Stadion lag direkt rechterhand neben dem Bahnhof. Der Bahnsteig leerte sich recht schnell. Es standen, gingen ein paar Olympiakos Fans umher, auf der Brücke zum Stadion rüber standen ein paar Uniformierte Polizisten und es gab zwei Verkaufsstände mit Fanartikeln. Unterhalb an einer Straße dampften links und rechts des Wegs einige Futterstände, daneben gabs abermals Fanartikel zu kaufen. Wir liefen genau dort hinunter um mal zu schauen, ob es dort einen Weg in den direkt dahinter liegenden Gästebereich gibt. Das war leider eine Sackgasse, hier führte nur die eine Straße ins angrenzende Wohngebiet, nicht unser Ziel. Da auf der andren Seite der Metro-Station noch ein Geocache gemacht werden wollte, liefen wir dorthin. Gemacht erledigt. Danach stellte sich die Frage, wie in den Gästeblock kommen.

Es half alles nichts. Wir mussten einmal ums Stadion auf der andren Seite herum, also den längeren Weg. Auf dieser Seite hintertor außen stand noch ein Bierverkäufer. Ziemlich ungewöhnlich für ein von der UEFA ausgerichtetes Spiel dass man in unmittelbarer Nähe Alkohol kaufen kann. Zur großen Freude holte der nette Verkäufer gleich zwei Dosen aus einem Eimer mit Eis, sehr geil, eiskaltes Bier. Dann liefen wir los über einen gut gefüllten Stadionumlauf. Überall gabs diese Stände, wo man sich eine Pita hätte einpacken lassen können. Frischer Salat, Würstchen-Spieße, auch das Grillzeug sah super lecker aus. In Richtung der gegenüberliegenden Hintertorkurve wurde das rumstehende Volk zusehens ultralastiger. Sowohl viele Olympiakos, wie auch einige T-Shirts mit den Symbolen von Roter Stern waren erkennbar. Bestimmt und normalen Schrittes aber nicht übereilig bahnten wir uns den Weg weiter gen Parkplatz, den wir dann durch einen Durchgang im Zaun betraten und zielstrebig den Eingang zum abgesperrten Bereich ansteuerten. Um hinein zu gelangen mussten wir nur die Eintrittskarten vorzeigen und die Frage nach Bayern München bejahen.  Bis hierher wäre dem Sicherheitskonzept also nur anzulasten, dass man nicht direkt von der Metro zum Gästeblock gehen kann sondern an zwei Heimkurven ind der Gegengerade vorbei musste. Andererseits müssten ja auch bei nationalen Spielen die Gäste irgendwie ankommen. Ob der Panathinaikos-Anhänger wohl auch Metro fährt? Als Gästfan erkennbar zu sein ist dort natürlich weniger vorteilhaft, aber ab Parkplatz wieder sinnvoll um rein zu kommen. Außen herum waren die großen Polizeibusse geparkt, drin nur die Shuttle-Busse. Hier war nichts mehr zu sehen von Imbiß-Ständen und Fanartikel-Verkäufern sowieso nicht. Am Ende war es dann doch ein relativ sicheres Gefühl, hier angekommen zu sein. Aber im Rückblick haben wir auch nichts falsch gemacht, mit der U-Bahn anzureisen.

Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten und dann sollte es hinein gehen. Ein ganz kleines bisschen war ich aber schon nervös zwecks der Personalisierung der Tickets. Das legte sich schnell nach der ersten Kontrollreihe. Die kontrollierten nur die Hosentaschen und wollten die Blocknummer wissen, damit man zum richtigen Drehkreuz geschickt wurd. Als dort die grüne Lampe leuchtete, war sämtliche Anspannung die nicht mit dem Fußballspiel zu tun hatte, dahin. Es ging eine Treppe rauf, durch das Tor zwischen den Blöcken und siehe da, mein Kumpel, gerade noch durchs andre Drehkreuz durch und die andre Treppe rauf, schon standen wir wieder nebeneinander. Hm, soweit dazu.

Auch hier standen wir noch einwenig umher und redeten mit bekannten. Es war ziemlich ruhig geworden im Innenraum und vor dem Eingang zu Block 26 stand sehr viel Uniformiertes Personal mit Helm und allem drum und dran. Auch Sanitäter waren kurz drauf zu sehen und versammelten sich an der Brüstung hinter dem Block. Ein paar blutende Leute bekamen Kopfverbände angelegt, einer sogar eine Halskrause. Ein Fan mit Turban lief genervt an uns vorbei, ein Sanitäter wollte in hinaus begleiten aber er lief mit einem seitlich vollgebluteter Kopfbedeckung nur so hinter dem Gästeblock umher. Der andere mit der Halskrause wurde auf einer Trage davon gefahren, er würde wohl heute vom Spiel nichts mehr sehen. Direkt vor dem Block schien es komplett angesperrt zu sein, jedenfalls ging keiner rein und es kam keiner raus. Einige Fans diskutierten dort mit offiziellen vom Verein und Polizisten. Sonst gabs von der Situation nicht mehr zu sehen.Wir suchten derweil den Eingang zum Block 27 auf. Dort war es etwa nur halbvoll und einen Platz zu finden war auch nicht schwer. So konnten wir einen ersten Einblick vom Innenraum sammeln und die Aufwärmübungen der Mannschaften beobachten. Bis auf eine kleine Unterbrechnung kurz vor Anpfiff blieben wir das komplette Spiel dort. Nach Abpfiff gabs die übliche Blocksperre. Danach wurden wir mit den bereitstehenden Bussen zum Flughafen gebracht.

Fotos zu dieser Karte
Altes Olympiastadion ( #1 ) ( #2 )
Ausgrabungen ( #1 ) ( #2 )
Blick über Athen ( #1 ) ( #2 ) ( #3 ) ( #4 ) ( #5 )
Akropolis-Hügel ( #1 ) ( #2 )
Stadion-Umlauf ( #1 ) ( #2 ) ( #3 ) ( #4 )
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20. August | Ankunft Donghae

Im Schlaf hab ich zum Glück nicht mehr so viel Schaukeln vom Wellengang wie am vergangenen Abend gemerkt. Das schummrige Gefühl jedenfalls war weg oder auch die See ruhiger. Vielleicht hat’s auch am Essen gelegen, wer weiß. Das Ostmeer lag ganz ruhig da und aus Angst, die Sonnenblumenkerne bei der Einreise wegschmeißen zu müssen, durften sie als Frühstück herhalten. Zeit genug hatten wir ja dafür, als Ankunftszeit war 12:30 angeschrieben. Also 2 einhalb Stunden nach Plan, muss wohl die Wirkung aus der ursäglich langsamen Passagierabfertigung in Vladivostok sein.

Nachdem der Kahn in einem aufwendigen Anlegemanöver im Hafen von Donghae festgemacht hat, wurde auch schon die schwankende Rampe heruntergelassen, über die das Schiff verlassen werden konnte. Direkt gegenüber vom Schiff gings in ein flachgebautes Hafenterminal. Sehr schlichtes Design, im Inneren sah es ganz normal wie bei jeder Passkontrolle im Flughafen aus. Ein paar Schalter mit ganz wichtigen Grenzern. Die Einreise war unkompliziert, Einreisekarte wollten sie sehen und einen Stempel in den Pass, entweder auf eine leere Seite oder neben dem eines befreundeten Landes. Danach hab ich die Nüsse durch die Zollkontrolle getragen, der gelangweilte Zöllner hat dort nur die Zettel entgegen genommen und geschaut, dass man die Kreuze an der richtigen Stelle gemacht hat. Wir steuerten die Touristen-Information am Ausgang an um rauszufinden wie man jetzt hier irgendwo hin kommt, wo Menschen sind. Die gute Frau war ziemlich schlecht mit ihrem Englisch unterwegs und versuchte uns den Weg zur Busstation zu erklären. Nach ein paar Handzeichen zum Verständnis und dem Wort Building war die Richtung halbwegs klar.

Noch ein bisschen Bargeld vom Automaten um die Ecke gezogen, der, wie könnte es anders sein, Gebühr berechnet hat, fanden wir nach kurzem Gehweg auch die besagte Straßenkreuzung mit den Bushaltestellen. Bockheiß war’s da, lustig aussehende Bäume gab’s am Straßenrand, die man in Europa nur in speziellen Baumschulen als Züchtung findet und jedes noch so kleine Fleckchen Land hinterm Zaun wurde für den Gemüseanbau hergenommen. So, nachdem dann der erste Bus an unserer Haltestelle ohne Halte vorüber fuhr, und der Fahrer des nächsten dort haltenden Busses uns fast hinaus warf, fanden wir an der anderen Haltestelle und dem dritten Bus zum Glück einen freundlichen Fahrer der uns nicht nur bis in die Stadt mitnahm, bis fast 200 Meter vors Hotel sondern auch das Geld annahm.

Wie irgendwie schon heimlich erwartet, konnte die Oma an der Rezeption von unsrem Hotel kein Englisch, rückte aber den Schlüssel schnell raus nachdem sie verstanden hat, welche Reservierungsnummer wir hatten. Die Erforschung der näheren Umgebung zeigte einen 7eleven Markt und wir wanderten entlang der Hauptstraße bis zum Intercity-Bus-Terminal. Unterwegs gabs noch einen Imbiss mit Bestellen indem man auf Bilder zeigte. Effizient und schnell.

Am Busbahnhof konnte zur ausbleibenden Überraschung auch gar keine Bedienung kein Englisch, aber mit Hilfe von einem Umherstehenden, der sich bemüht und hilfsbereit zeigte, bekamen wir zumindest mal die Abfahrszeiten der Züge nach Andong. Also galt es nur noch einen Weg zum Bahnhof zu finden, der auf der anderen Seite der Stadt liegt. Wir nahmen einen Bus, zahlten irgendwas und fuhren zumindest mal in die grobe Richtung. Relativ. Also der blöde Bus bog dann an einer größeren Kreuzung einfach mal falsch ab und wir wechselten die Buslinie. Wiederum noch relativ näher dran am Bahnhof liefen wir dann zu Fuß weiter. Ein 2km-Marsch vorbei an zwei Schulen, wo die Schüler auf Englisch grüßten aber sonst nix mit uns anfangen konnten. Zumindest mein Telefon mit Offline-Karte zeigte sich heute zuverlässig und navigierte uns treu zur Donghae Station. Am Bahnhof angekommen konnten wir 2 Tickets für einen vergleichbaren Spottpreis nach Andong für den nächsten Tag erwerben.

Zurück in die Stadt haben wir dann ein Taxi zum Hotel genommen, nachdem die hier nicht feilschen sondern nach Taxameter fahren. Spottpreis. Abends war die erneute Suche nach einem Geldautomat nochmal witzig geworden. Der Laden gegenüber nannte sich (irgendwas mit) Tourist Hotel. Die Frage nach einem ATM schien der Hotelwirt zu verstehen und schickte uns durch die Tür, eine halbe Treppe rauf. Dort draußen standen wir dann auf dem Parkplatz des Hauses. Irre Typen habens hier. Erinnert mich an andere Lebensbereiche, wo Leute null verstehen aber Hauptsache irgendwas antworten nur in der wagen Hoffung dass es ein Staubkorn weiterhilt. Naja. Der nächster Hotelwirt schien absolut ratlos und vermutlich wars auch gut, ihm den Rücken zu kehren bevor er irgendwas sagen konnte. Einen ATM in der Seitenstraße brachte die benötigte Erlösung in Fragen Bargeld, gegenüber im kleinen Markt hätte es auch einen gegeben.

Abendessen gab es in der Suppenküche, in der gleichen Straße wie von unserem Hotel. Nix mit aufm Boden sitzen, hier gabs Stühle und Tische wie es sich gehört. Die Suppe brodelte noch als sie serviert wurde und hatte die bestellte Schärfe. Drin schwammen allerhand Zutaten, worüber man sich lieber keine Gedanken macht. Scharf wie sau, aber eben wie bestellt.

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19. August | Abfahrt Vladivostok

Morgens kehrten wir ins Schokoladnitza ein. Es gab für eine lange Zeit die letzten Blini und Zyrniki. Erstere waren Weltklasse, mit flüssiger Schokolade gefüllt, herrlich. Die Bedienung hat sich leider mit der Leistung nicht so ganz daran anschließen können, sondern hat sich just in dem Moment minutenlang in der Küche versteckt wo wir die Rechnung haben wollten. Dafür gabs nur minimales Trinkgeld, Kunden warten lassen geht ja mal gar nicht.

Zwecks Vodkakauf schauten wir noch ein einem nahegelegenen Supermarkt rein und wurden zügig fündig. Smirnow mit kyrillischem Etikett, vermutlich nicht ganz so gut wie Stolichnaya aber die Flasche machte optisch schon einiges her und vom Geschmack lassen wir uns mal irgendwann überraschen. Im Hostel war schon fast alles abreisebereit, so quetschten wir noch die letzten Klamotten in die Rucksäcke und checkten aus.

Am Hafenterminal, dem “Meeresbahnhof”, war heute viel Getümmmel. Allerhand japanisches und koreanisches Volk war unterwegs. Wir bahnten uns den Weg zum bekannten CheckIn-Schalter und wurden wortlos von der russischen Tippse abgefertigt. Die Hafengebühr gabs dann zur Kontrolle nochmal auf einem kleinen Zettel vorgelegt, die sie und passenden Scheinen und Münzen von uns bekam. Anschließend durften wir vor der großen schweren Tür nebenan auf den Einlass zum Boarding, der Zoll- und Passkontrolle warten.

Nachdem dann die Hafenbediensteten endlich ihren Mittagstisch geräumt und an die Arbeit zurückgekehrt sind, wurde der Stolz der Seewegsgrenzkontrolle dann endlich auch für normalsterbliche geöffnet und allerhand Passagiere drängelten sich, um auch ja die ersten zu sein. Wir sind dann mit der zweiten Charge durchgeschlüpft und unten in einem Durchgang wurden dann nochmal von dergleichen Tippse und ihrem koreanischen Kollegen die Bordkarten gegen Pässe gecheckt. Dahinter im Raum war Zolldurchleuchte verstärkt von einem großen stinkenden Hund mit Schlabberohren der mittels Schnauze dann an jedem Gepäckstück einmal schnuppern durfte. Die anschließende Passkontrolle war dagegen wieder regulärer Spaß. Stempel aufs Visum und einmal Durchgeblättert. Länder ihr mal in der Schule hattet, einmal zum Staunen dass jemand den Weg zu euch gefunden hat. Tschüssi.

Auf der Fähre haben wir nach Abladen der Klamotten in der Kajüte eine der raren Sitzbänke an Deck ergattert und bestaunten zum vermutlich letzten Mal für eine lange Zeit den Hafenblick von Vladivostok. Direkt im Blickfeld lag die Golden Horn Brücke und ein paar Frachter zogen ihrer Wege hinaus ins Meer. Es dauerte eine ganze Weile bis unser Kahn dann auch endlich mal loslegte. War ja auch kein Wunder, dass wir nicht pünktlich starten konnten. Wenn man 350 Passagiere durch die Zoll- und Grenzkontrolle bringen muss und erst 45 Minuten vor planmäßiger Abfahrt mit einer planwirtschaftsmäßigen Mentalität an die Sache rangeht, dann lernt man die Erfindung der Uhr zusammen mit fortschreitender Globalisierung und Verbreitung der Leistungsgesellschaft vielleicht auch hier in einigen Jahren zu verfluchen. Fast 40 Minuten über der Zeit bequemte sich dann die kolossige Fähre vom Hafenanleger ebenfalls hinaus auf See. Leider passierten wir die Russkjy Brücke nicht direkt, sondern die Fährroute rechts ab wurde eingeschlagen. Daher konnten wir von dieser riesigen Brücke nur ein paar entfernte Bilder machen.

Abends haben wir uns dann doch ein Essen im Restaurant der Fähre gegönnt. Bezahlt wurde der Pauschalpreis mit Kreditkarte, weil sie bei der einzigen Umtauschmöglichkeit an der Information tatsächlich einen Kurs von $2 zu 1.500 WON abgerufen haben. Bei einem offiziellen Kurz von $1 zu 1.100 WON schien mir das Angebot aber etwas unfair zu sein bzw. war uns den $100-Schein nicht wert. Das Futter gabs vom Buffet, die Auswahl von geschmacksneutral bis extrem scharf war vertreten, dazu wahlweise keinen bis sehr viel Reis. Sehr lecker, muss man schon sagen. Das Getränkeangebot war auf einen einzigen Saft beschränkt und bei Nachfrage wurde man auf die Bar außerhalb des Restaurants verwiesen. Clevere Abzocker san’s also auch noch. Oder wissen dass da viel reingeht in einen Menschen und die meisten Restaurants mit all-you-can-eat und hungrigen Kunden eher weniger Gewinn machen.

Fast pünktlich um 21 Uhr lief am B-Deck laute Musik und es wurde aufgegrillt. Das Fleisch sah super lecker aus, wenn wir paar tausend WON gehabt hätten und noch etwas Platz im ohnehin etwas geschunkelten Magen, aber so wurde aus dem Spaß leider nix. Ein Bierchen wurde sich noch für Plastikgeld a-la VISA genönnt und dann war aber Feierabend. Die See war etwas rauer geworden und viel hätte auch nicht mehr in den Magen gepasst.